14.01.2018 09:28
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Franz Daniel Hagelstein (1771-1832)

  Barthold Z.
Hagelstein
1737-1779
oo Sara Engel
Schultz
1738-178?
         
    |            
           Engel
Margaretha

1769-1800
Franz Daniel
Hagelstein

1771-1832
oo Charlotte S.
Stüve
1778-1857
Ulrica Chr.
Elisabeth
1773-18??
Clara
Magdalena
1775-1803
Carsten C.
Friedrich
1776-1???
 
      |          
    Elisabeth
(Betty)
1798-1891
Sohn

1???-18??
Sohn

18??-18??
Juliane
Charlotte
1805-1891
     
Franz Daniel Hagelstein, * 03.05.1771 in Lübeck, † 24.01.1832 in Oldesloe. Dr. med. und Justizrath in Oldesloe. Sohn des Barthold Zacharias Hagelstein, Wundarzt und Stadtchirurgus in Lübeck und der Sara (Engel) Elisabeth, geb. Schultz. Schwiegervater des Dr. jur. Carl Friedrich de Boor.

                                                                                  Nekrolog[1]

Franz Daniel Hagelstein, Königl. Dänischer wirklicher Justuízrath, Ritter des Dannebrogordens und Dannebrogmann, geb. zu Lübeck den 3ten Mai 1771.
Noch nicht neun Jahre alt verlor er seinen Vater, den dortigen Stadtwundarzt Barthold Zacharias Hagelstein, und kurz darauf auch seine Mutter, Sara Elisabeth, Tochter des Kaufmanns Hermann Schultz daselbst. Seitdem machte sich besonders ein Bruder des letzteren um seine Erziehung, Schul- und sonstige Bildung verdient.
Schon im Herbste des Jahres 1788 verließ er die Schule, um in Berlin die medizinischen und chirurgischen Wissenschaften zu studiren.  Spörgel, Fritze, Mayer, Walther, Knape, Gönnen, Mursinna, Zencker, Hermstädt waren unter Andern seine Lehrer, bis er im Frühjahr 1791 eine Stelle als Chirurg bei der Charité annahm, um unter Selles und des General-Feld-Stabs-Chirurgus Theden Leitung practische Uebung zu gewinnen. Auf des letzteren Anrathen zog er im Frühjahr 1792 mit den Königlich Preußischen Truppen an den Rhein, stand unter dem General-Chirurg Goercke und dem Ober-Feld-Stabs-Chirurg Becherer kurze Zeit als Unter-Chirurg beim Hauptlazarethe zu Coblenz, folgte dem Feldzug in die Champagne, kehrte auf dem Rückzuge von Ruhrkranken und Blessirten umgeben als Oberchirurg wieder, war als solcher bei den Hospitälern zu Usingen, Frankfurt am Mayn und Höchst bis zu Uebergabe von Mainz angestellt, und blieb von 1794 bis 1795 beim Hauptquatiere des General-Feldmarschalls von Möllendorf, mit welchem er im Sommer desselben Jahres nach Berlin zurückkehrte. Die ihm nun während eines fast ganzen Jahres bei vollem Gehalt zu Theil werdende Muße benutze er um in Berlin und Halle seine Studien fortzusetzen, bis er 1796 einen Ruf als Kreisarzt nach Bialystock in Südpreußen erhielt, dem zu folgen er keinen Beruf fand, vielmehr um seinen Abschied ersuchte und sich wieder seiner Vaterstadt zuwandte. 

Von hier aus besuchte er den Geburtsort seines Vaters, die nahegelegene Stadt Oldesloe, welche damals noch keinen Arzt hatte, fand dort eine sehr freundliche Aufnahme, und ließ sich durch die Aufforderung mehrerer daselbst und in der Umgebung wohnenden angesehenen Leute bestimmen es zu seinem Wohnsitze zu wählen.

1797 erhielt er von der medicinischen Facultät zu Rostock nach vorhergegangenem Examen und Vertheidigung seine Inaugural-Disseratation: De structura uteri ejusque partus laborosi frequentissima causa, die medicinische Doctorwürde, hielt auch bald nachher das, um die freie Praxis in den Herzogthümern Schleswig und Holstein zu erlangen, erforderliche Colloquium mit der medicinischen Facultät zu Kiel mit gewünschtem Erfolge.

Er verheirathete sich nun mit Sophie Charlotte Stüben [Stüve] aus Oldesloe, und ward Vater von vier Kindern, zwei Töchtern und zwei Söhnen, von welchen die beiden letzteren vor ihm gestorben sind.
Als Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer gleich ausgezeichnet, gaben ihm die mit 1806 eingetretenen politischen Conjuncturen und daraus entspringenden militärischen Operationen häufig Gelegenheit, sich durch eifrige, uneigennützige Dienstwilligkeit und energischer Thätigkeit Einheimischen und Fremden gleich wichtig, werth und achtbar zu machen, welches Alles auch höheren Orts nicht ohne Anerkennung blieb. Am 3ten Mai 1812 ward er mit dem Naturalisatiospatente begnadigt, im folgenden Jahre durch das Königliche Sanitäts-Collegium zu Kiel auf höhere Autorisation zum Brunnenarzte bei der Badeanstalt in Oldesloe bestellt, am 18ten Juni desselben Jahres zum Ritter des Dannebrogordens,[1]

am 8ten November 1817 zum wirklichem Justizrathe und den 27 May 1823 zum Physicus der stormanschen Ämter Reinbek, Tremsbüttel und Trittau, später auch noch des Amtes Rethwisch ohne Gehalt ernannt, ungeachtet seine zumal durch die Landpraxis schon nur zu drückende Geschäftsbürde bey zunehmendem Alter noch bedeutend dadurch vermehrt wurde.

Am 1 Novb: 1828 endlich ward er mit dem Ehrenzeichen der Dannbrogsmänner geschmückt. Bey fortwährender unermüdlicher Anstrengung ergriff ihn zu Anfang Januar dieses Jahres, wahrscheinlich in Folge der Ausübung seiner Berufspflicht, ein hitziges Nervenfieber dem er am 24ten desselben Monats erlag, von seinen Angehörigen, innig und tief betrauert, von seinen Freunden und denen die sich seiner ärztlichen Hülfe bedient, schmerzlich vermisst, ihnen, seinen Zeitgenossen und der Mitwelt zu früh entrückt.[2]
 
 
 
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[1] Familienarchiv de Boor - Landesarchiv Schleswig Abt. 399.9 Nr. 31. Dr. Franz Daniel Hagelstein in Oldesloe. Nekrolog von Dr. Carl de Boor (1810-1853).
[2] Der letzte Abschnitt stammt aus der Hand von Dr. Carl Friedrich de Boor (1776-1848).



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